Geistliches Wort - Diakonie

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Berichte
Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist. Lk 6,36

Ein neues Jahr hat begonnen. Diesmal ist uns wohl bewusster als je zuvor, dass wir noch nicht wissen, was vor uns liegt. Wir vertrauen darauf, dass Gott mit uns ist und hoffen auf ein Ende der Corona-Krise.
Immer am Anfang des Jahres steht auch die neue Jahreslosung. Sie ruft uns auf, barmherzig zu sein, wie unser Vater im Himmel barmherzig ist. Das passt, denke ich mir. Gerade in unserer Zeit, wo Meinungen auseinanderdriften, wo Menschen sich entfremdet haben, sich nicht mehr verstehen. Wir brauchen mehr denn je, einen barmherzigen Umgang miteinander. Ja, Barmherzigkeit wird gebraucht, jeden Tag.
Dieser Vers stammt aus dem Lukasevangelium aus der sogenannten Feldrede von Jesus. Jesus Worte, die er einer großen Menschenmenge zuruft, klingen wie eine kleine Revolution. „Liebt eure Feinde“, heißt es da und „spielt euch nicht zum Richter über eure  Mitmenschen“ auf. Wie würde unsere Welt aussehen, wenn wir das in die Tat umsetzen würden? Wir merken schon, das ist leicht gesagt, aber schwer gelebt. Mittendrin klingt mir  dieses Wort entgegen: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist. Ich ahne, die Barmherzigkeit wird der einzige Weg sein, der entfremdete, verstrittene Menschen wieder zueinander bringt. Wer Barmherzigkeit lebt, der verlässt den Weg der Besserwisserei  und der  Feindschaft. Der beschreitet den Weg Gottes mit uns. Denn Barmherzigkeit gehört zu den Wesensmerkmalen Gottes. Gott lebt sie, wie ein roter Faden zieht sie sich durch die Bibel. Seine Barmherzigkeit geht soweit, dass er das Kostbarste hergibt was er hat, seinen Sohn. Nur wenn wir seine Barmherzigkeit für uns  in Anspruch annehmen, sie für uns selbst gelten lassen, können auch wir barmherzig gegenüber anderen sein.

Es geht hier nicht um unsere Überzeugungen, es geht um unser Sein. Seid, so wie Gott ist. Gott ist barmherzig zu euch, deshalb seid auch ihr barmherzig zu anderen. In BarmHERZigkeit steckt HERZ drin. Barmherzigkeit kommt von Herzen, aus einem Herzen voller Liebe. Haben wir unser Herz beim anderen Menschen, so wie Gott sein Herz bei uns hat?

Meine Sorge ist, dass wir uns jetzt nur viele gute Gedanken über die Barmherzigkeit machen. Man kann ganze Bücher darüber schreiben, was barmherziges Handeln ausmacht, man kann Predigten darüber hören, was man alles tun könnte und man kann trotzdem nichts davon beherzigen. Jesus möchte, dass wir Barmherzigkeit leben. Was heißt das konkret – in meinem Alltag? Vielleicht: Einsame anrufen oder wenn möglich besuchen, einander zuhören, Zeit schenken, Trauernde trösten, Briefe schreiben, für den Nachbarn Schnee schippen oder Einkäufe erledigen, Kindern bei Schulaufgaben helfen, Geld spenden, Erkrankte pflegen, Arme unterstützen und füreinander beten – natürlich im Rahmen unserer eigenen Kräfte und Möglichkeiten. Wenn wir so leben, dann wird es gewiss ein gutes Jahr.

Ihre Pastorin Heidrun Hertig,
Evangelisch-methodistische Kirche Eibenstock und Carlsfeld

Diakoniestation der Kirchgemeinden Eibenstock und Umgebung e.V.
2020
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