Geistliches Wort - Diakonie

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Geistliches Wort

Berichte
„Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“
Eines der schönstens Feste ist mir Erntedank: Die Kirche ist herrlich geschmückt. Die Tisch stehen voller Erntegaben, Kinder ziehen mit ihren Körbchen ein und die Gemeinde singt: „Danket, danket dem Herrn, denn er ist sehr freundlich. Seine Güt und Wahrheit wäret ewiglich.“
Im Vorbereitungskreis zu diesem Fest wurde festgestellt. Dieses Jahr wird es wohl mit den Blumen knapp werden. In der Zeitung lasen wir von sich verteuernden Backwaren, weil es wegen der langen Trockenheit zu erheblichen Ernteausfällen gekommen ist. Und dann meinte schließlich einer: „Wir nehmen alles viel zu selbstverständlich hin. Wir haben alles. Wir können alles kaufen. Und was tun wir? Wir schimpfen dazu noch über das, was uns dennoch nicht passt. Wir sollten viel dankbarer sein.“
Erntedank angesichts voller Tische zu feiern fordert uns heraus, uns bewußt zu machen: Das alles ist nicht selbstverständlich. Wie viele der Älteren können sich an die Nachkriegsjahre erinnern, in denen sie zum Hamstern gefahren sind, in denen es Lebensmittelmarken gab und wo man alles Mögliche gesammelt hat, um daraus eine Suppe zu kochen.
Das liegt natürlich weit weg, genauso, wie die Regionen unserer Welt, in denen es seit Jahren nicht geregnet hat oder in denen durch Krieg die Ernten vernichtet sind und die Menschen keine andere Chance haben, als ihre Heimat zu verlassen.
„Aller Augen warten auf dich, Herr“ Tatsächlich können wir Regen nicht machen. Wir sind machtlos, wenn es zu einer Wirtschaftskrise oder gar zu Krieg kommen sollte. Wir sind - so wie alle, denen das wegen Hunger oder Mangel natürlich völlig klar ist- abhängig von Gottes Zuwendung und seinem Segen.  Das Tischgebet, in dem ich Gott danke, macht mir das jedes Mal neu bewußt. Ich lebe aus Gottes Güte und Gnade.
Freilich liegt mir der Nachsatz des Psalmisten immer wieder einmal schwer im Magen: „…,du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ Wenn ich Bilder von verhungernden Kindern sehe, von Menschen, die in Schlangen vor den Ausgabestellen der Hilfsorganisationen warten, um das notwendigste zum Überleben zu ergattern oder auch von Wasserlöchern, aus denen Menschen eine Brühe schöpfen, die das Wort „Wasser“ kaum verdient, dann wird meine Zuversicht erschüttert und ich frage: „Gott, warum gibst du nicht allen, die auf dich warten, das Notwendige zur rechten Zeit?“ Natürlich hatte auch der Psalmist solche Bilder vor Augen. Ihm standen Trockenheit, Wüste und Mißernten viel deutlicher vor Augen als uns im reichen Europa. Er ah vor seinem geistigen Auge die auf ihre Speise wartenden Augen der Menschen und der Tiere, die dürsteten und hungerten. Er wollte sie weder verspotten noch ignorieren. Vielmehr waren sie ihm sicher ein Ruf in seine eigene Verantwortung, in die Verantwortung derer, die alles haben für die, die wenig oder gar nichts haben. Was Gott gibt, gehört nicht einigen wenigen. Sondern es soll allen zugutekommen. Das erfordert ein bewußtes Umgehen aller mit den Ressourcen dieser Erde. Das erfordert die Bereitschaft zum Teilen, damit der Segen Gottes denen nicht gestohlen wird, die ebenso wie wir Anspruch auf ihn haben. Wir dürfen Gott nicht die Schuld an den Katastrophen dieser Erde zuschieben, sondern wir sind gefordert angesichts voller Gabentische an diejenigen zu denken, mit denen wir die Güter dieser Erde teilen können. Nur dann können wir auch das „Danket, danket dem Herrn, denn er ist sehr freundlich. Seine Güt und Wahrheit wäret ewiglich.“ Aus vollem Herzen singen.
Ihr Pfarrer Poppitz

 
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